Auch die Linke kürte bei ihrem Parteitag Tülay Durdu zu ihrer Kandidatin

22. Juni 2020

Foto: Michael Kleinjung --- (v.li.) Kreiskassiererin Uta Albrecht, Kreissprecherin Heidi Mehlhorn, Landratskandidatin Tülay Durdu, Kreissprecher Jan Köstering und als Gast die Landessprecherin Inge Höger.

Manchmal ist auch ein T-Shirt Politik: „I want it all“ („Ich will alles“) stand auf der Oberbekleidung, die Tülay Durdu am Samstag für ihre Vorstellungsrunde beim Kreisverband der Partei „Die Linke“ gewählt hatte. Die 45-jährige Sozialdemokratin will bei der im September anstehenden Wahl als gemeinsame Kandidatin für die SPD, die Grünen und eben für die Linken ins Rennen um den Posten der Landrätin gehen.

In der Gummersbacher Halle 32 bekam Durdu nicht alles, aber vieles: Mit 24 von 29 möglichen Stimmen – bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen – kürten auch die Linken die Rösratherin zu ihrer Bewerberin für das Spitzenamt in Oberberg. Zuvor aber musste Linken-Vorstand Jan Köstering auf die Frage antworten, warum die Partei keinen eigenen Bewerber ins Rennen schicke. Der habe im konservativ geprägten Oberberg wohl kaum Chancen, sagte Köstering. „Aber mit einer gemeinsamen Bewerberin können wir wenigsten linke Akzente setzen.“

Dieser Wahl vorausgegangen war der Kreisparteitag der Linken, die im Kreisgebiet 85 Mitglieder haben. Aus Bielefeld angereist war die Landesvorsitzende Inge Höger. Köstering blickte zunächst zurück auf eine turbulente Zeit mit viel und oft leidenschaftlich geführtem Streit, bei dem es nicht immer um Inhalte gegangen sei. Dabei seien linke Antworten heute wichtiger denn je, vor allem im Kampf gegen den täglichen Rassismus. „Da gibt es keine Einzelfälle und längst keine Einzeltäter mehr.“

Mit mehrheitlichem Votum verabschiedeten die fast 30 Versammelten dann ihr Wahlprogramm, für das der Kreisvorstand um Jan Köstering und Heidi Mehlhorn aber auch einige Kritik einstecken musste: Als „Quatsch, den man eigentlich keinem Wähler anbieten kann“ bezeichnete Mitglied Holger Hennig das fast 80 Seiten starke Programm. „Es ist zumeist für Städte geschrieben und passt daher nicht für Oberberg.“ Auch hätten zu wenige Mitglieder in der Arbeitsgruppe Wahlprogramm mitgewirkt, die Kreistagsfraktion sei daran offenbar gar nicht beteiligt gewesen. Köstering entgegnete, dass kein Mitglied der Einladung zu den Online-Sitzungen gefolgt sei.

Einstimmig brachten die Linken zudem eine Solidaritätserklärung für die Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof auf den Weg und kündigten an, sich für sie einzusetzen. So soll es an der Gummersbacher Karstadt-Filiale Protestaktionen gegen die geplante Schließung geben.

Quelle: OVZ vom 22.06.2020