Bundesminister für Arbeit besucht Behinderten-Werkstätten Oberberg

7. September 2020

„Guten Tag, Herr Arbeitsminister. Bitte nicht alles fertig machen, wir würden gerne am Montag auch noch etwas zum Arbeiten haben“: Als Hubertus Heil den Montage-Raum verlässt, entdeckt er den kleinen Gruß, den ihm die Mitarbeiter der Behinderten-Werkstätten Oberberg (BWO) da neben die Tür geklebt haben. Am Samstagnachmittag ist der Bundesarbeitsminister nach Wiehl-Bomig gekommen, um sich über die Situation dieser Einrichtung zu informieren. Und wie alle der etwas mehr als 30 Versammelten, so trägt sich auch der Minister in die Anwesenheitsliste ein.
Dazu eingeladen hat ihn Oberbergs Kreisverband der SPD. Aber für den 47-Jährigen gibt es ohnehin eine „Tüte voll Gründe“, sich auf den Weg zu machen. „Für Menschen, für die Arbeit nicht nur Broterwerb bedeutet, ist die Situation traumatisierend“, sagt Heil, nachdem ihm Klaus Pütz, Vorsitzender des Vereins zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder in Oberberg, und BWO-Geschäftsführer Jens Kämper die 1972 gegründeten Werkstätten mit heute drei Standorten, 740 Beschäftigten und etwa 250 Mitarbeitern vorgestellt haben.

Doch nicht alles, was der SPD-Minister zu hören bekommt, gefällt ihm. So berichtet Doreen Fiedler, kaufmännische Leiterin, etwa davon, wie schwer es ist, das Unternehmen BWO liquide zu halten. Vom 18. März bis in den Mai hinein waren die Betriebe geschlossen, für Einrichtungen wie die BWO ist Kurzarbeit jedoch nicht erlaubt. „Um die Gehälter zahlen zu können, müssen wir also in die Rücklagen greifen“, schildert Fiedler und beschreibt zudem die Schwierigkeiten, an Fördermittel des Landes heranzukommen. Heil hat genug gehört: „Es kann nicht sein, dass die Länder das versaubeuteln, was wir in Berlin erarbeiten“, betont er und kündigt an, dass „Kollege Laumann“ einen Anruf zu erwarten habe.

Auch die Ängste der Mitarbeiter in der Krise sind ein großes Thema. „Viele, aber noch nicht alle, sind an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt“, führt BWO-Gesamtleiter Michael Bey aus und berichtet unter anderem von den immensen Kosten, die Corona verursacht, wenn Arbeitsplätze umgerüstet und Hygienevorgaben umgesetzt werden müssen. Tobias Schneider, Vize-Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag und Mitarbeiter des Wohnverbundes St. Gertrud in Morsbach, spricht zudem von den seelischen Schmerzen, die das Kontaktverbot in der Zeit des Lockdowns ausgelöst habe. „Es war sehr schwer, unseren Bewohnern die Gründe dafür zu vermitteln.“ Viele der 121 Menschen, die im Wohnverbund leben, haben ihren Arbeitsplatz bei den BWO. „Und da haben sie nicht nur Kollegen, sondern eben auch Freunde.“

Quelle: Oberbergische Volkszeitung vom 07.09.2020, Jens Höhner