Die Zukunft des Individualverkehrs in Oberberg

4. September 2020

Gleich zwei Bahnhöfe bekam der stellvertretende Landesvorsitzende der NRW-SPD, Jochen Ott, am Donnerstag zu sehen. Der Kölner besuchte im Kommunalwahlkampf SPD-Landratskandidatin Tülay Durdu und die oberbergischen Genossen. Diese zeigten ihm die Bahnhöfe in Denklingen und Wiehl, um auf die Pläne zur Reaktivierung der Wiehltalbahn aufmerksam zu machen.

In Denklingen, wo das Gras noch über die Schienen wächst, erinnerte der Waldbröler SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Kronenberg – als Gründungsvorsitzender des Förderkreises – an die Anfänge des Kampfes um die Strecke in den 1990er Jahren. Während andere entlang der Strecke schon einen Blick auf die Trasse als Platz für Bauprojekte geworfen hätten, sei der Kampf schon damals von den Sorgen vor den Folgen des Klimawandels geprägt gewesen: „Dass die uns so schnell erreichen, damit hätten auch wir nicht gerechnet.“ Ott lobte die Beharrlichkeit der „Dickköpfe, die standhaft geblieben sind“. Jetzt könne sich der Kampf auszahlen. Inzwischen stehe sehr viel Geld für die Reaktivierung von Strecken zur Verfügung. Die Wiehltalbahn sei da auch für die Region ein wichtiges Projekt, findet Ott. Denn die Zukunft des Individualverkehrs in die große Stadt sei nicht rosig: „Einen Parkplatz zu finden, ist schon jetzt schwer – und teuer.“ Der Ball liege beim Kreis. Kandidatin Durdu jedenfalls erklärte, sich gemeinsam mit ihren Bündnispartnern für eine Reaktivierung der Bahn einsetzen zu wollen.

Dass die auch genutzt würde und an ihr vielleicht sogar neue Wohnbebauung entsteht, davon ist nicht nur Ott überzeugt. Was möglich sei, zeige auch die Entwicklung des Bahnverkehrs auf einer lange stillgelegten Strecke zwischen Gummersbach und Meinerzhagen, sagte der heutige Vorsitzende des Förderkreises zur Rettung der Wiehltalbahn, Gerhard Mansel. Ein Vorteil im Wiehltal sei, dass die Strecke so gut erhalten ist. Wie gut, sah Ott in Wiehl. „Hier haben wir ja quasi schon einen fertigen ICE-Bahnhof“, sagte Bernd Kronenberg.

Quelle: Oberbergische Volkszeitung vom 04.09.2020, Frank Klemmer