SPD Parteivorsitzender zum Wahlkampf-Finale in Oberberg

8. September 2020

Wenn ein Parteichef plötzlich zu wippen und zu singen beginnt, dann muss er ziemlich gute Laune haben. Die hat Norbert Walter-Borjans offenkundig: Während am Sonntagabend auf der einen Bühne das Duo Two for You den Beatles-Klassiker „Ticket to Ride“ anstimmt, kommt auf der anderen der Bundesvorsitzende der SPD ins Grooven – und das vor der malerischen Kulisse der Aggertalsperre. Denn für ihr Finale im Wahlkampf hat sich der Kreisverband der Sozialdemokraten den Jugendzeltplatz am Ufer der Talsperre in Gummersbach-Lantenbach ausgesucht.

Als Finanzminister Nordrhein-Westfalens sei „Nowabo“ (so nennen die Genossen ihren Chef) ja oft nach Oberberg gekommen, erinnert sich Friedhelm Julius Beucher, Ehrenvorsitzender der Kreis-SPD. „Aber als Parteivorsitzender noch nie.“ Als solcher gibt sich der 67-Jährige nicht nur gut gelaunt, sondern auch kämpferisch und optimistisch – insbesondere für die Sozialdemokratie im Oberberg. Neben dem gebürtigen Uerdinger auf dem Podium stehen Landratskandidatin Tülay Durdu, ebenfalls SPD und zudem unterstützt von den Grünen und den Linken, sowie SPD-Mann Thomas Stamm als Bewerber um den Bürgermeisterposten in Bergneustadt sowie Thomas Hein als parteiloser, von SPD und den Grünen getragener Aspirant für dasselbe Amt nebenan in der Kreisstadt Gummersbach.

„Die Wahl wird sehr spannend werden“, sagt Kreisvorsitzender Thorsten Konzelmann. „Aber wir sind sicher, dass wir erstmals eine Landrätin in Oberberg haben werden.“ Auch Walter-Borjans spricht von tiefgreifenden Veränderungen, die notwendig seien und in Zeiten einer weltweiten Krise nicht aus dem Blick geraten sollten. „Corona wirkt da wie ein Brennglas: Die Pandemie zeigt uns, dass wir jetzt nicht nur überbrücken, sondern auch in die Zukunft investieren müssen – in die Schulen, in den Klimaschutz und in die Digitalisierung.“ Der Ausbau des Digitalen sei vor allem für ländliche Kreise wie Oberberg wichtig: „Wer hier eine Idee für ein Unternehmen hat, der sollte diese auch auf dem Land umsetzten können – und dafür nicht in eine Stadt umziehen müssen“, führt Walter-Borjans aus. Die aktuellen Konjunkturpakete seien ein erster Schritt in diese Richtung, wesentlich geprägt von seiner SPD: „In den Paketen würde wesentlich weniger drinstecken, wenn nicht so viel Sozialdemokratie darin stecken würde.“ Allerdings gelte es jetzt zu verhindern, dass die Gesellschaft auseinanderdrifte. Während die ohnehin Reichen gerade auch noch gute Geschäfte machen würden, kämpften die weniger reichen Leute nach der Kurzarbeit um ihren Job. „Jeder Euro mehr in der Hand von jemandem, der weniger hat, bedeutet ebenfalls Konjunktur.“ Denn dieses Geld werde gleich vor der eigenen Haustür ausgeben und nicht in Immobilien investiert.

Quelle: Oberbergische Volkszeitung vom 08.09.2020, Jens Höhner